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Literatur & Datenbank2017-08-04T10:05:49+00:00

Learning Spaces – Lernwelten.

Learning Spaces – Lernwelten ist die größte internationale bibliographische Fachdatenbank über Entwicklungen und Trends im Bereich Lernräume und Lernorte, vor allem physischer Art. Sie enthält Publikationen über alle Arten von Bildungseinrichtung, von Schulen und Hochschulen, über Erwachsenenbildung und Volkshochschulen, bis hin zu Bibliotheken und Museen. Vor allem der angloamerikanische Raum, Deutschland und Skandinavien ist hierbei abgedeckt.
Als frei zugängliche Suchplattform nutzt die Datenbank die Literaturverwaltungssoftware Zotero.

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Suchanleitung für die Zotero Datenbank

 
Das Projekt wurde von Prof. Dr. Richard Stang für das Learning Research Center an der Hochschule der Medien Stuttgart initiiert. Die Datenbank wird von Stefan Volkmann (Bibliotheks- und Informationsmanagement, sv034@hdm-stuttgart.de) kuratiert.
 
 

Datenbankstruktur:

1   es wird unterschieden zwischen
einführenden,
visuell inspirierenden, und
Theorie- & Forschungs-
materialien
2   Physische Räume & Einrichtungen – Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Volkshochschulen, usw.
3   Digitale & Hybride Räume
4   Design und Architektonische Aspekte
4.2.4   IT-Integration
4.2.4.2   Mobile Geräte
4.5   Service Design
5   Organisatorisches, Praktisches und Methodisches
5.1   Politik & Strategie
5.2 / 5.3 organisatorische & Kooperationsstrukturen
5.4   Projektzyklus & -management
5.5   Nutzergesteuerte Innovation
6   Lernformen und demographischer Wandel
7   Stakeholder – Lernende allen Alters, Lehrer, Designer, Entscheidungsträger
8   Sprachen – vor Allem Englisch, Deutsch, und skandinavische
9   Länder und Regionen
 
Eine detailierte Zusammensetzung der Daten aus Publikationstypen, Dokumentsprachen, repräsentierter Regionen und Institutionstypen bieten die Learning Spaces – Lernwelten. Release Notes.
Für umfangreichere Recherchen in der Datenbank empfiehlt sich über die Teilnahme in der Zotero-Gruppe, die Datenbank lokal über den Zotero Standalone Client zu synchronisieren. Hierrüber lassen sich die Daten auch exportieren.
 
 

Physische Lernräume

Physische Lernräume

von Richard Stang

In den modernen Wissens- und Informationsgesellschaften erhält Bildung einen immer größeren Stellenwert.

Das lebenslange Lernen ist zur Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung geworden. Die Bedeutung von Bildung- und Kultureinrichtungen als Lernorte haben in Anbetracht dieser Bedeutung eine neue Relevanz erhalten. Dabei geht es nicht nur darum, Lernsettings didaktisch-methodisch zu gestalten, sondern auch darum, informelles Lernen auch räumlich zu unterstützen. Immer mehr Bildungs- und Kultureinrichtungen haben sich auf den Weg gemacht, Lernangebote auch räumlich neu zu präsentieren. Dabei steht häufig der physische Raum im Zentrum. Allerdings wird er noch zu selten als eine zentrale Dimension der Gestaltung von Lehr-/Lern-Settings gesehen.

de-tweede-verdieping-Nieuwegein
De Tweede Verdieping in Nieuwegein.
(Bildquelle: Richard Stang)
LearnerLab_Vortrag
Das LearnerLab der HdM als Eventraum genutzt.
(Bildquelle: Richard Stang)
Das Learning-Research-Center beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie physische Lernräume in Zukunft aussehen werden. Raumorganisation oder die organisatorische Strukturierung von Lernlandschaften – sei es im kommunalen Kontext oder im Kontext wissenschaftlicher Campusstrukturen – werden vor allem vor dem Hintergrund in den Blick genommen wie veränderte Gebäudekonzepte, Raumkonzepte, Möblierungskonzepte, Vernetzungsstrukturen usw. gestaltet werden können.
Die Gestaltung von Lernräumen erhält in Anbetracht verschiedener Lernzugänge und Lernmethoden eine immer größere Re­levanz bei Neu- und Umbauten in Schulen, Weiterbildungseinrichtungen, Hochschulen und Bibliotheken.
Dieser Thematik hat sich das Learning-Research-Center im Rahmen einer Laboranordnung zugewandt. So wurden zum Beispiel im Rahmen des Projektes „LearnerLab“ flexible Rauminszenierungen für Lernen erforscht. Ausgangspunkt für die Forschungskooperation mit der Firma VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken aus Tauberbischofsheim war ein gemeinsam konzipiertes LearnerLab in der Hochschule der Medien Stuttgart, das von 2011 bis 2014 im Zentrum der Forschung stand.
Ab 2015 wird es eine größere Fläche für die HdM-Lernwelt geben, in der die Forschungsarbeiten weitergeführt werden.

Projekt „Lernwelt Hochschule 2030“: Zukunft der Hochschulen gestalten gestartet

Wie können den Studierenden zukünftig die nötigen Kompetenzen vermittelt werden, um Herausforderungen zu meistern? Wie kann kompetenzorientierte und studierendenorientierte Lehre gestaltet und implementiert werden? Wie muss die interne Hochschulkommunikation und -organisation gestaltet werden? Und: Was kann die Hochschulpolitik dazu beitragen? Diese Fragen untersucht das Learning Research Center der Hochschule der Medien (HdM) im Rahmen des Projekts „Lernwelt Hochschule 2030“.

 

Es startete im April 2020 und läuft bis zum März 2022. Grundlage hierfür bilden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Lernwelt Hochschule“, das von 2018 bis 2020 den State-of-the-Art der deutschen Hochschullandschaft zu den vier Themenschwerpunkten Organisation, Hochschuldidaktik, physische Lehr-/Lernräume und digitale Strukturen analysiert hat.

Wesentlicher Bestandteil des Projekts „Lernwelt Hochschule 2030“ sind vier Workshops, in denen die beteiligten Akteurinnen und Akteuren erarbeiten, welche Veränderungsprozesse es an Hochschulen aktuell gibt und welche Strategien für den „Shift from Teaching to Learning“ diskutiert werden. Ein weiterer Aspekt der Projektarbeit wird die Durchführung einer internationalen Konferenz sein, die die zentralen Erkenntnisse aus den Workshops aufgreift und die Situation in Deutschland international einordnet.

Für den wissenschaftlichen Projektleiter Prof. Dr. Richard Stang ist die internationale Einordnung von besonderer Relevanz: „Unsere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass die Entwicklung hin zu einer studierendenorientierten Hochschule in Deutschland noch deutlich Luft nach oben haben. Hier kann ein Blick auf Good Practice sowohl in Deutschland, aber vor allem auch im Ausland sehr hilfreich sein.“ Durch die Ausrichtung des Projekts sollen auf der einen Seite internationale Erfahrungen gebündelt, auf der anderen Seite innovative Ansätze in Deutschland reflektiert werden. Dabei sollen besonders innovative Konzepte auf den Feldern Organisation, Lehre und Lernen, Raumgestaltung sowie digitale Strukturen beleuchtet werden. Um dies in Bezug zu den konkreten Herausforderungen der Hochschulen zu tun, sollen diese mit Akteurinnen und Akteuren aus den Hochschulen diskutiert werden.

Das Projekt des Learning Research Centers der HdM wird von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert, die Vorhaben im Bereich Bildung und Wissenschaft unterstützt.

Kontakt:

Alexandra Becker und Prof. Dr. Stang

28.-29.03.2019 Konferenz: Zukunft Lernwelt Hochschule


Konferenz „Zukunft Lernwelt Hochschule“

am 28./29.3.2019

im Bildungscampus Heilbronn

Die Veränderungen im Rahmen des Bologna-Prozesses haben gravierende Auswirkungen auf Universitäten und Hochschulen. Doch wie reagieren diese auf die Herausforderungen bei der Gestaltung der Lernwelt Hochschule? Gibt es grundlegende Konzepte oder nur Einzelfalllösungen? Wie sieht die Gestaltung von physischen, digitalen und hybriden Lernräumen an den Hochschulen der Zukunft aus?

Diese Fragen griff die Konferenz „Zukunft Lernwelt Hochschule“ auf, die am Donnerstag und Freitag, 28.-29. März 2019 auf dem Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn stattfand. Dabei wurden Ergebnisse des Forschungsprojektes „Lernwelt Hochschule“, das den State-of-the-Art der deutschen Hochschullandschaft erfasst und ein integratives Konzept zur Gestaltung und strategischen Planung der Lernwelten an Universitäten und Hochschulen entwickelt, vorgestellt. Auf der Basis der Ergebnisse des Projektes wurde über die Zukunft der Universitäten und Hochschulen unter der Perspektive des „shift from teaching to learning“ diskutiert werden.

Thematische Foki waren dabei die vier Bereiche Organisation, Hochschuldidaktik, physische Lehr-/Lernräume und digitale Strukturen. Dabei stand die Studierendenzentrierung im Mittelpunkt der Betrachtung. Als kompetente Partner für die Diskussion dieser Themenfelder beteiligten sich das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das HIS-Institut für Hochschulentwicklung, das Hochschulforum Digitalisierung sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft an der Konferenz.

Neben Keynotes und einer Podiumsdiskussion wurde in Workshops an den Themen gearbeitet, in deren Rahmen auch Good-Practice-Beispiele vorgestellt wurden.

Weitere Informationen finden Sie unter http://zukunftlernwelthochschule.de.

Für inhaltliche Rückfragen stehen Prof. Dr. Richard Stang (stang@hdm-stuttgart.de) und Alexandra Becker (beckera@hdm-stuttgart.de).

Wenn Sie auf dem Laufenden gehalten werden wollen, schicken Sie eine Mail mit Betreff „Zukunft Lernwelt Hochschule“ an dutz@hdm-stuttgart.de.

Partner der Konferenz:

Centrum für Hochschulentwicklung

HIS Institut für Hochschulentwicklung

Hochschulforum Digitalisierung

Stifterverband

Partner des Projektes:

Hochschule der Medien

Deutsche Initiative für Netzwerkinformationen e.V.

HAW – Hamburg

Heinrich Heine Universität Düsseldorf

Otto-Friedrich Universität Bamberg

Förderer des Projektes:

Dieter Schwarz Stiftung

 

digital storytelling

Basierend auf Erkenntnissen der Hirnforschung (Damasio 1999) und weiteren interdisziplinären Studien hat sich die pädagogische Forschung im letzten Jahrzehnt verstärkt der Bedeutung von Emotionen für das Lernen zugewandt. Pekrun (Pekrun 1992), Astleitner (Astleitner 1999), Giessen (Giessen 2009) und andere konnten die sehr häufig unterschätzte Rolle menschlicher Emotionen auf Lernprozesse nachweisen, eine Bedeutung, die nach wie vor im Unterrichtsalltag und im E-Learning vernachlässigt wird. In diesem Zusammenhang wird auch zunehmend der Einfluss von Lernendengruppen (Siemens 2004)  und von Lernräumen (Eigenbrodt & Stang 2014) untersucht.

Auch die Erkenntnisse über die Bedeutung von Geschichten und Narrativität für die Erinnerung (Markowitsch & Welzer, 2005), Motivation und menschliche Selbstwahrnehmung (McAdams 1996) in Lernprozessen bieten hilfreiche Impulse für das institutionelle und informelle Lernen: Vor der Auseinandersetzung mit dem autobiographischen Gedächtnis (Markowitsch & Welzer, 2005), also der Fähigkeit des Menschen, Erinnerungen über das eigene Erleben zu speichern, wird deutlich, dass dazu Erzählungen eine entscheidende Rolle spielen, weil sie sowohl Erlebnisse semantisch bewerten als auch eine Kohärenz über unterschiedliche Situationen und Lebenslagen herstellen (2005, p. 43). Schacter (Schacter 2001) und Sacks (Sacks, Gunsteren, Sacks, & Sacks, 2010) haben nachgewiesen, dass die Klammer der Erinnerungen an biographische Erlebnisse jeweils die eigene Lebensgeschichte konstruiert und zu einer Gesamtheit werden lässt, die dem Individuum die Welt als sinnhaft, beständig, eindeutig und auch wertvoll erleben lässt. „Jeder von uns hat eine Lebensgeschichte, eine Art innerer Erzählung, deren Gehalt und Kontinuität unser Leben ist. Man könnte sagen, dass jeder von uns eine »Geschichte« konstruiert und lebt. Diese Geschichte sind wir selbst, sie ist unsere Identität.“ (2010, p. 154) Auch McAdams geht so weit, dass er das Leben eines Menschen als dessen eigene mythologische Erzählung beschreibt (McAdams 1996, p. 35), und den menschlichen Geist in seiner Grundstruktur als „narrative mind“ (1996, p. 28) versteht (Gardner & Drolshagen, 1989; Sarbin 1986; Landau 1984; Howard 1989; Landau 1984; Sarbin 1986).

Besonders interessant an diesem Merkmal ist die Tatsache, dass die Geschichten des erzählenden Geistes einen mythologischen Charakterhaben, also eine archaische Grundstruktur, die aus „symbolischen Episoden“ (Kotre 1998, S. 127) besteht, wie wir sie auch aus religiösen Geschichten, Romanen und Filmen kennen. Der Mythenforscher Joseph Campbell ist in seiner Analyse der Mythen der Menschheit (Campbell 1993) zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es universelle Grundstrukturen in den mythologischen Erzählungen aller Völker und Kulturen der Welt gibt, die wir als Menschen miteinander teilen. Mythologie ist „eine innere Landkarte von Erfahrungswelten […], gezeichnet von Menschen, die sie bereist haben“ (Campbell 1994, S. 10). Diese Muster haben etwas mit unserer Ontologie zu tun, mit den existentiellen Erfahrungen von Geburt und Tod, Krankheit und Bedrohung, Glück und Trauer, Angst und Geborgenheit und der Frage nach dem Sinn des Lebens. Und genau diese Fragen tauchen in den Geschichten der Menschheit auf, unabhängig von Zeit, Ort und Kultur. Diese Geschichten werden verstanden, weil sie existentiellen Fragen behandeln, die alle Menschen miteinander teilen (Campbell 1996).

Vor diesem  Hintergrund setzt sich die pädagogische Forschung und Praxis  zunehmend mit der Frage auseinander, wie sich Geschichten in den Unterricht, ja überhaupt in Lernprozesse integrieren und effektiv nutzen lassen. So weist Giessen (Giessen 2009) auf die Bedeutung der Einbeziehung „emotionaler, handlungsorientierter, sozialer oder narrativer Methoden im Unterrichtsprozess“ (Giessen 2009, p. 7) hin und betont die Bedeutung der Narration auf Lernprozesse, die weit über ein Auswendiglernen hinausgehen und transferorientiertes Handlungswissen ermöglichen sollen. Neben der Tatsache, dass Methoden die die Freude am Lernen fördern, nachweislich ein nachhaltiges Lernen erwirken, werden zudem wichtige „Zukunfts- oder gar Alltagstechniken wie kollaboratives Arbeiten“ erworben, die „eine bessere Vorbereitung auf die Lebenswirklichkeit“ (Giessen 2009, p. 9) ermöglichen.

Domagk und Niegemann (Domagk & Niegemann, 2009) weisen in einem den Forschungsstand zusammenfassenden Artikel auf die hohe Relevanz der Bedeutung von Emotionen auf das Lernen hin und verweisen auf das große Potenzial von „serious games“ und „Storytelling“.

Elemente einer Geschichte

heldenreiseDer Mythenforscher Joseph Campbell hat sich intensiv mit Geschichten in unterschiedlichsten Kulturen auseinandergesetzt und kommt zu dem Ergebnis, dass die Struktur von Geschichten in allen Kulturen und zu allen Zeiten die gleiche ist: die Reise des Helden.

Es gibt immer einen Protagonisten, der auf irgendeine Weise einer Herausforderung begegnet, sei es eine Gefahr oder die Aussicht auf Belohnung, und der sich daraufhin auf eine Reise begibt und verschiedenste Abenteuer erlebt, bis er zu seinem Ziel kommt. Schließlich findet er den Schatz, die Prinzessin, das Elixier und kehrt damit verändert zurück. Christopher Vogler hat Campbells Analysen weiterentwickelt und kommt in seinem Buch The Writer´s Journey zu dem Schluss: »Derartige Geschichten spiegeln eben die Funktionsweise des menschlichen Geistes genau wider; sie sind getreue Pläne der Seele. […] Daraus ergibt sich die universelle Kraft solcher Geschichten. Von einer Geschichte, die dem Modell der Reise des Helden nachgebildet ist, geht etwas aus, das alle Menschen empfinden können, weil es dem universellen kollektiven Unterbewussten entspringt und universelle Befindlichkeiten widerspiegelt. In solchen Geschichten geht es immer wieder um die universellen, kindlichen Urfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich, wenn ich sterbe? Was ist gut, was ist böse? Und was hat das mit mir zu tun? Wie wird das Morgen aussehen? Und wohin ist das Gestern entschwunden? Gibt es sonst noch jemanden da draußen?« (Vogler, Die Odyssee des Drehbuchautors, S. 52)

Neben dem Helden – es kann auch eine Heldin oder eine Gruppe sein – gibt es in Geschichten auch weitere typische Charaktere, die für bestimmte Prinzipien stehen und die Geschichte vorantreiben. Da wäre beispielsweise der Widersacher (Antagonist), dessen Aufgabees ist, den Helden herauszufordern, ihn zum Handeln zu zwingen. Sehr häufig gibt es auch einen Mentor, eine Art Lehrer, der dem Helden wichtige Hinweise gibt und ihn väterlich begleitet. Eine weitere wichtige Figur ist der Schwellenhüter; er steht in wichtigen Situationen auf dem Weg und versucht, den Helden am Weitergehen zu hindern. Der Schwellenhüter steht für Widerstände und schwierige Situationen. Aber eigentlich will er besiegt und überwunden werden. Der Trickster ist die Figur, die gerne Unordnung in die Geschichte bringt. Er macht Späße, hat ein anarchisches Potenzial und stellt auch immer wieder Dinge infrage. Die Aufgabe des Tricksters ist es, einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen, um eine Situation noch einmal aus einer ganz anderen Sicht zu betrachten. Der Chor kommentiert das Geschehen und bietet Erklärungen und Interpretationsmöglichkeiten an. Gefährten begleiten den Helden auf seinem Weg, stehen ihm bei und bieten wichtige Hilfe. Neben diesen hier angeführten Figuren gibt es noch einige weitere. Wichtig ist, dass die Figuren für Prinzipien stehen, die die Geschichte vorantreiben und uns als Rezipienten Identifikationsmöglichkeiten bieten.

Neben archetypischen Figuren gibt es in Geschichten auch immer wieder Orte, die eine bestimmte Funktion haben. Auch davon seien hier nur ein paar Beispiele genannt:

Das Heim des Helden ist sehr häufig der Rückzugsort, der der Erholung und Reflexion dient. Ein anderer Ort ist die Arena, in der der Kampf mit dem Gegner stattfindet. Die Wüste und der Dschungel stehen für ein schwieriges Gebiet der Reise und verwirren durch ihre Kargheit (Wüste) oder Üppigkeit (Dschungel). Die Brücke des Todes führt über ein tiefes Tal auf die andere Seite, die einen Fortgang der Geschichte markiert und für ein neues Niveau steht. Vor ihr steht sehr häufig einen Schwellenhüter. Auf dem Gipfel des Berges gibt es Klarheit und Erkenntnis, häufig auch die Begegnung mit Gott. Im tiefsten Verließ ist die Prinzessin gefangen oder der Schatz versteckt. In der Höhle des Löwen findet die Auseinandersetzung und der endgültige Kampf mit dem Bösewicht statt. Schließlich sei noch das Siegerpodest genannt, das für den Triumph des Helden steht.

Das Verständnis der Prinzipien und Zutaten einer Geschichte hilft uns dabei, eine Geschichte zu konstruieren. Indem wir eine Geschichte erfinden, können wir das, was gelernt werden soll, in diese integrierten und Lernern helfen, sich mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen von Details, sondern vor allem um das Erkennen von Zusammenhängen, die Auseinandersetzung mit einer Thematik und der Reflexion.

Neben der Ebene, eine Geschichte dafür einzusetzen, sich mit einem Thema zu befassen, bietet die Geschichte noch eine zweite Dimension: Der Lernprozess selbst kann als Heldenreise verstanden werden, und das Schlüpfen in die Rolle eines Helden kann es Lernern erleichtern, sich mit schwierigen Situationen auseinanderzusetzen. Das Studium kann so eine andere Bedeutung erhalten und Schwierigkeiten lassen sich als Schwellenhüter verstehen, die es zu überwinden gilt, um ein neues Level zu erreichen. Auch die Figuren können einen didaktischen Charakter haben. Der Mentor als Berater ist dabei noch die eindeutigste Funktion.

Forschung zum mobilen Lernen im Innovation Lab

Forschung zum mobilen Lernen im Innovation Lab

Die Veränderungen durch die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche im 21. Jahrhundert stellen neue Herausforderungen und Anforderungen an Schulen. So gilt es, die für das 21. Jahrhundert notwendigen Kompetenzen – die sogenannten 21st Century Skills – als zentral zu erwerbende Kompetenzen in den Unterricht zu integrieren, zum anderen die Schüler auf die sich rapide verändernden Situationen von Lebenswelten angemessen vorzubereiten. Gleichzeitig sollen Schülerinnen und Schüler, in einer sich stetig verändernden Welt, Initiative und Verantwortung für sich und die Gemeinschaft übernehmen. Dazu müssen Informations- und Medienkompetenzen in der Schule ebenso erworben werden, wie Kompetenzen zur interdisziplinären Zusammenarbeit, zur Kommunikation und Auseinandersetzung mit komplexen interdisziplinären Aufgabenstellungen, aber auch Entrepreneurship und Empathie gilt es zu entwickeln.

Dies alles lässt sich mit den traditionellen Konzepten von Schule des Industriezeitalters nicht mehr bewerkstelligen und erfordert ein Neudenken von Schule als lernende Organisation, von Unterricht als einem Experimentallabor im Sinne des »Design Thinking«, von Methoden und von Lernräumen, sowohl physisch als auch virtuell.

Wie sollte Schule und Lernen sich vor diesem Hintergrund verändern?

Schule und Unterricht werden sich in den kommenden Jahren, auch durch den digitalen Wandel, stark verändern. Offene Lernszenarien und Selbstlernphasen in denen Schülerinnen und Schüler möglichst eigenverantwortlich lernen und arbeiten kommen dabei immer häufiger neben traditionellen Lehr- und Lernformen zum Einsatz. In dieser »neuen Lernkultur« verändert sich auch die Rolle der Lehrkräfte. Sie werden von Wissensvermittlern zunehmend zu Lernbegleitern, die Lernräume und Lernszenarien schaffen, sowie ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und Individualisierung ermöglichen. Dabei spielt vor allem das kooperative und kollaborative Lernen eine große Rolle.

Digitale Medien können an dieser Stelle ein Schlüssel sein, diese Lernszenarien entscheidend und schülerzentriert zu unterstützen.

Welche Aufgaben übernimmt das Innovation-Lab in diesem Prozess?

Das Projekt soll neue, innovative Lernszenerien für das projektorientierte, nachhaltige und schüleraktivierende Lernen mit mobilen Gerätenentwickeln, bei denen auch der physische Lernraum neu gedacht wird. Die zu entwickelnden Szenarien, die in Kooperation mit der Hochschule der Medien definiert werden, sollen in zwei Lernräumen (Raum im Schulgebäude und Pavillon im Außenbereich der Schule) mit Schülerinnen und Schülern der Ernst Reuter Schule in Karlsruhe, Lehrkräften, Studierenden und Experten gemeinsam entwickelt, erprobt und evaluiert werden, um daraus weiterführende Lernszenerien zu generieren. Die Ergebnisse sollen publiziert und sowohl Schulen als auch der wissenschaftlichen Fachwelt zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll das Konzept des »Design Based Research«-Ansatzes zum Einsatz kommen.

Zur Web Site des Innovation Labs

Die Zukunft der Lernwelt Hochschule

Die Zukunft der Lernwelt Hochschule

Forschungsprojekt untersucht Strukturen und entwickelt Szenarien

Diesen Fragen geht ein dreijähriges Forschungsprojekt zur konzeptionellen Gestaltung der Lernwelt Hochschule nach. Prof. Dr. Richard Stang vom Learning Research Center der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) leitet das Projekt „Lernwelt Hochschule“, das in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) realisiert wird. Gefördert wird dieses Projekt von der Dieter Schwarz Stiftung, die Vorhaben im Bereich Bildung und Wissenschaft unterstützt.

Ziel des Projekts ist es, eine Handreichung zu erstellen, die es Universitäten und Hochschulen ermöglicht, die jeweilige Lernwelt strategisch zu planen. Das Projekt untersucht zunächst die aktuelle Situation der Lernwelt Hochschule in Form von Befragungen und Experteninterviews sowie Fallstudien. Der Wandel vom „Lehren zum Lernen“ wird auch mit veränderten Organisationskonzepten verbunden sein: „In Zukunft wird entscheidend sein, die die Hochschule als ganzheitliche bzw. integrierte Lernwelt zu etablieren und nicht als segmentierte bzw. additive, wie es derzeit in den meisten Universitäten und Hochschulen in Deutschland der Fall ist.“, erläutert Prof. Stang die Zielrichtung des Forschungsprojekts.

http://www.dini.de
http://www.dieter-schwarz-stiftung.de

Projektteam
Prof. Dr. Richard Stang (Hochschule der Medien Stuttgart), Kontakt: stang@hdm-stuttgart.de
Alexandra Strahl (Hochschule der Medien Stuttgart), Kontakt: strahl@hdm-stuttgart.de
Aitana Gräbs Santiago (Hochschule der Medien Stuttgart), Kontakt: graebssantiago@hdm-stuttgart.de
Dr. Fabian Franke (Otto-Friedrich-Universität Bamberg), Kontakt: fabian.franke@uni-bamberg.de
Prof. Christine Gläser (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg), Kontakt: christine.glaeser@haw-hamburg.de
Hans-Dieter Weckmann (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf / Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V.), Kontakt: hd.weckmann@hhu.de

Lernwelten im Wandel – Bildungsstrukturen neu denken

Publikation

Lernwelten im Wandel – Bildungsstrukturen neu denken

 

Die gesellschaftlichen Veränderungen erfordern Bildung im Kontext des Lebenslangen Ler-nens neu zu denken. Während international die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen immer fluider werden, wird in Deutschland Bildung noch weitgehend unter der Perspektive von traditionellen institutionellen Strukturen betrachtet. Im Band „Lernwelten im Wandel“ wird auf der Basis der Analyse des state of the art und der Entwicklung in den Bereichen Universitäten/Hochschulen, Bibliotheken, Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Bildungs-und Kulturzentren der Versuch unternommen, Anforderungen zu formulieren, wie zukünftige Lernwelten zu gestalten sind.

Der Pädagoge und Leiter des Learning Research Centers an der Hochschule der Medien Stuttgart, Prof. Dr. Richard Stang, entwirft einen Optionsraum Lebenslanges Lernen als „atmendes Bildungssystem“, das sich an individuellen Lern- und Bildungszugängen orientiert und flexible Übergänge ermöglicht. Er rückt die Lernenden in den Fokus seiner konzeptionellen Überlegungen und weniger die Institutionen. Zentrale Dimensionen der Veränderung sind für ihn:

• Vom Produkt zum Prozess
• Vom Lehren zum Lernen
• Vom Konsum zur Produktion
• Von der Lehrumgebung zur Lernumgebung
• Von der Addition zur Integration

Die Basis seiner Analyse liefert eine Auseinandersetzung mit den zentralen Begriffen Infor-mation, Wissen, Kompetenz, Lernen/Aneignung, Lehren/Vermittlung und Bildung. Dabei greift er die aktuellen Diskussionen auf und ordnet diese. Die Beschreibung der unterschied¬lichen Bildungsbereiche orientiert sich daran, jeweils deren Strukturen für die anderen Bil-dungsbereiche transparent zu machen. Damit legt er einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen dieser Bildungsbereiche vor.
Der Band liefert für alle, die in Bildungsinstitutionen, in Kommunal- und Hochschulverwaltun-gen sowie in der Politik in der Verantwortung stehen, Hinweise, wie die Zukunft von Bildung gestaltet werden könnte. Für Studierende liefert er Überblickswissen über die aktuelle Ent-wicklung sowie Trends im Bildungsbereich.

Richard Stang
Lernwelten im Wandel – Entwicklungen und Anforderungen bei der Gestaltung zukünftiger Lernumge-bungen
Berlin/Boston: Walter DeGruyter 2016, 243 S.

Der Flyer zum Download:
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